Genderstereotype und Diskriminierung

Für (fast) alles, was weder direkt noch indirekt etwas mit Strings zu tun hat ist hier der richtige Platz!
Antworten
Benutzeravatar
f.j.
Bulgestring Träger
Beiträge: 419
Registriert: Mo 21. Mai 2018, 15:01
Has thanked: 75 times
Been thanked: 84 times

Genderstereotype und Diskriminierung

Beitrag von f.j. »

Habe gerade einen interessanten Artikel gelesen und ein interessantes Kurzvideo von Kurz Krömer (Comedian) auf YouTube angesehen.

Offensichtlich setzt sich gerade ein Trend durch, bei dem (männliche) Prominente Nagellack tragen, um ein Statement gegen toxische Männlichkeit und Genderstereotype zu setzen. Obwohl das jetzt nur indirekt mit Strings zu tun hat — und deshalb auch in der offtopic-Rubrik gelandet ist — finde ich den Trend sehr positiv und dachte es könnte euch auch interessieren. Immerhin sind ja Strings, Leggings, usw. mit einem mindestens ebenso gegenderten Bias verbunden wie das Tragen von Nagellack, ganz unabhängig wie man selbst dazu steht. Versteht mich nicht falsch: Ich finde nichts besonders Männliches oder Weibliches an Strings und trage sie nicht, um femininer zu wirken. Aber indem wir Strings tragen sind wir halt trotzdem mit ähnlichen Stereotypen konfrontiert wie jene, die gerne Nagellack oder Röcke tragen.

Mich würde mal eure Meinung dazu interessieren. :)
Benutzeravatar
integrator
Bulgestring Träger
Beiträge: 313
Registriert: Do 9. Sep 2021, 10:55
Has thanked: 154 times
Been thanked: 475 times

Re: Genderstereotype und Diskriminierung

Beitrag von integrator »

Meine Meinung dazu ist, dass ich im Generellen dafür bin, dass jeder so sein darf, wie er ist solange es nicht gegen Gesetze verstößt und niemandem wehtut.

Ich vermute aber dass jeder ein Stück weit innerlich an seine Grenzen stößt, was seine Toleranzschwellen betrifft. Der eine halt früher als der andere. Was ich nicht schlimm finde solange ich niemandem das Recht abspreche so zu sein, nur weil ich es nicht nachfühlen kann.

Der Begriff "toxisch" wird mir aktuell viel zu inflationär genutzt. Nur weil jemand bestimmte Verhaltensweisen oder Kleidung eher Männern zuschreibt, hat das mit toxischer Männlichkeit nicht direkt viel zu tun.
yocko
G-String Träger
Beiträge: 56
Registriert: Do 17. Mai 2018, 10:55
Has thanked: 19 times
Been thanked: 36 times
Kontaktdaten:

Re: Genderstereotype und Diskriminierung

Beitrag von yocko »

Naja nun ist es einfach "trendy" sich als Mann die Nägel zu lackieren. Aber was verändert es? Eigentlich nichts, es ist nur ein Trend welcher wieder vergehen wird.

Die toxischen Männer mit ihrer eigenen Männlichkeitsvorstellung wird das lackieren von Fingernägeln nicht eliminieren.

Ehrlich gesagt finde ich es ziemlich einfallslos irgendwelchen Trends nachzulaufen. Es gibt genug Männer die sich schon seit Jahren die Nägel lackieren, sie tun es nicht um einen Trend mitzumachen oder ein Statement zu setzten, sondern weil es ihnen einfach gefällt.

Ähnlich ist es ja mit dem Männerstring, das ist ja kein Trend aber wir tragen ihn weil wir es mögen. Und wir sollten auch all diejenigen respektieren denen ein String nicht gefällt.

Die Gesellschaft wird generell immer offener für Sachen welche von traditionellen Stereotypen abweichen. Allerdings ist es nun mal leider so das viele Minderheiten diskriminiert werden, was sehr schade ist.
Wobei sich mir immer häufiger die Frage stellt ob dieser leidige Kampf um Gendersprache, Paraden, Regenbogenflaggen usw. wirklich der richtige Weg ist.

Soll doch jeder machen wie er es will, wie integrator es geschrieben hat: so lange man nicht gegen das Gesetz verstößt und niemandem böses tut ist es in Ordnung. Wenn jeder einfach sein leben friedlich lebt ohne es einem aufzudrängen wäre das ein Schritt dahin, gegenseitigen Respekt zu bekunden.

So wie ich niemanden missionarisch belästigen werde das er einen String tragen soll, so will ich auch nicht von anderen bedrängt werden was ich gut und nicht gut finden soll.
Zum Beispiel: ich bin absoluter nicht-Raucher aber ich respektiere es wenn jemand rauchen will - ich werde keinem Raucher Vorträge halten wie ungesund rauchen ist. Allerdings erwarte ich auch, dass ein Raucher mich nicht dazu überreden wollen wird selber zu rauchen.

Es ist doch schön das jeder seinen eigenen Geschmack hat. Ich respektiere alle Menschen egal woher sie kommen, woran sie glauben, wen sie lieben usw., was aber nicht heißt das ich jedes Verhalten gut finde. Das gibt aber niemandem das Recht einander zu verurteilen, bekämpfen oder zu bestrafen.
Echt schade das Menschen sich gegeneinander aufhetzen und sich bekämpfen und das auf so ziemlich allen Ebenen.

So das musste ich einfach mal loswerden 8-)
Benutzeravatar
reddevil83
Microstring Träger
Beiträge: 247
Registriert: Mi 16. Mai 2018, 09:26
Wohnort: Wien Umgebung
Has thanked: 60 times
Been thanked: 258 times

Re: Genderstereotype und Diskriminierung

Beitrag von reddevil83 »

yocko hat geschrieben: Di 22. Aug 2023, 13:04
Wobei sich mir immer häufiger die Frage stellt ob dieser leidige Kampf um Gendersprache, Paraden, Regenbogenflaggen usw. wirklich der richtige Weg ist.
Ich stimme dir bei deinem gesamten Post Großteils zu.

Bezüglich dem zitierten Teil kann ich allerdings nur sagen, solange man als schwuler Mann beleidigt wird, nur weil man die Hand des Partners hält, oder ihn küsst; solang es keine vollständige End Diskriminierung im alltäglichen Leben gibt (z.B. Beförderungsverweigerung im Taxi, oder Mietwohnung Verweigerung aufgrund der sexuellen Orientierung), so lang muss man mit Veranstaltungen auf diese Missstände aufmerksam machen.

Und diese Beispiele sind nicht aus einem ehemaligen Ostblock Land, sondern aus Österreich.

Wie du vollkommen richtig sagst, man muss nicht alles gut heißen, aber man sollte es jedenfalls akzeptieren.
yocko
G-String Träger
Beiträge: 56
Registriert: Do 17. Mai 2018, 10:55
Has thanked: 19 times
Been thanked: 36 times
Kontaktdaten:

Re: Genderstereotype und Diskriminierung

Beitrag von yocko »

Ja das ist echt schlimm, dass man auf offener Straße diskriminiert bzw. beleidigt wird! Ich verstehe es echt nicht, warum es Menschen gibt die einfach nicht akzeptieren das jeder leben kann wie er will.

(wobei man auch bedenken muss das ein Vermieter/Eigentümer nunmal selber entscheiden darf wem er was vermietet oder wem er seine Leistungen anbietet, sicherlich ist es verletzend für die abgewiesene Partei aber das betrifft auch Personen/Familien welche aufgrund von Kindern, Herkunft oder Haustieren -oder was auch immer- abgewiesen werden)

Nur damit es keine Missverständnisse gibt; ich habe nichts gegen Kundgebungen und Veranstaltungen, es ist einfach nur die Frage ob man damit wirklich diejenigen erreicht welche mit einer nicht stereotypischen Lebensweise ein Problem haben.
Benutzeravatar
integrator
Bulgestring Träger
Beiträge: 313
Registriert: Do 9. Sep 2021, 10:55
Has thanked: 154 times
Been thanked: 475 times

Re: Genderstereotype und Diskriminierung

Beitrag von integrator »

yocko hat geschrieben: Di 22. Aug 2023, 15:05 Ja das ist echt schlimm, dass man auf offener Straße diskriminiert bzw. beleidigt wird! Ich verstehe es echt nicht, warum es Menschen gibt die einfach nicht akzeptieren das jeder leben kann wie er will.

(wobei man auch bedenken muss das ein Vermieter/Eigentümer nun mal selber entscheiden darf wem er was vermietet oder wem er seine Leistungen anbietet, sicherlich ist es verletzend für die abgewiesene Partei aber das betrifft auch Personen/Familien welche aufgrund von Kindern, Herkunft oder Haustieren -oder was auch immer- abgewiesen werden)

Nur damit es keine Missverständnisse gibt; ich habe nichts gegen Kundgebungen und Veranstaltungen, es ist einfach nur die Frage ob man damit wirklich diejenigen erreicht welche mit einer nicht stereotypischen Lebensweise ein Problem haben.
Das ist - zumindest in Deutschland - juristisch nicht korrekt. Grundsätzlich gilt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Da es eine nationale Umsetzung von EU-Recht ist, vermute ich eine ähnliche Umsetzung auch in Österreich.
D.h. man kann NICHT frei entscheiden, dass man einem Schwulen keine Wohnung vermietet, wenn das der Grund ist. Für Vermieter gibt es da Ausnahmeregelungen, z.B. wenn er selber auf dem Grundstück wohnt oder wenn er weniger als 50 Wohnungen vermietet. Dann gilt das AGG nur eingeschränkt.
Der findige Vermieter wird natürlich sicher andere Gründe finden, mir geht's nur darum was gesetzlich gegeben ist.

Mir persönlich geht das AGG eigentlich nicht weit genug - ich würde die sexuelle Identität gerne über den Artikel 3 des Grundgesetzes geschützt sehen aber das sehen eben nicht alle Leute so. Leider. Auch wenn ich nicht schwul bin, engagiere ich mich für das Thema.
Benutzeravatar
reddevil83
Microstring Träger
Beiträge: 247
Registriert: Mi 16. Mai 2018, 09:26
Wohnort: Wien Umgebung
Has thanked: 60 times
Been thanked: 258 times

Re: Genderstereotype und Diskriminierung

Beitrag von reddevil83 »

In Österreich ist es eben leider noch nicht gesetzlich geregelt. Der Vermieter darf ganz unverblümt sagen: "Du bist schwul/lesbisch/trans, an dich vermiete ich genau aus diesem Grund nicht".
Und selbiges gilt eben zb. auch bei der Beförderung im Taxi.
Und ich habe die Befürchtung dass sich die Situation, zumindest in der näheren Zukunft, eher wieder etwas verschlechtert als dass es besser wird. Zumindest wenn man sich ansieht welche Parteien in Europa entweder an die Macht kommen, bzw in den Umfragen vorne dabei, bzw ganz vorne stehen.

Aber das wäre vermutlich eher Gesprächsthema in einem neuen Thread.
about-string
G-String Träger
Beiträge: 82
Registriert: Do 20. Jul 2023, 11:18
Has thanked: 109 times
Been thanked: 334 times

Re: Genderstereotype und Diskriminierung

Beitrag von about-string »

Generell ist in Deutschland die Gleichbehandlung gesetzlich geregelt und ihr hab Recht, wenn wir jeden sein lassen sollen, wie der Mensch das möchte, ohne Gesetze dabei zu brechen. Das lässt vermuten, dass ein Kämpfen um Rechte und Freiheiten gar nicht nötig ist. Ich sehe das absolut anders. Auch wenn es medial zurzeit sehr en vogue ist die bunte Vielfalt an Gesellschaft zu zeigen, aber die gefestigte Realität zeigt bei einer Mehrheit der Menschen klare oder unterbewusste Skepsis. Der Konservatismus ist allgegenwärtig und wirkt wie eine ordnende unsichtbare Hand (wie marktwirtschaftlich Adam Smiths These). Darum wird es nie ausreichend sein sich auf Gesetze zu berufen, sondern Rechte müssen immer gezeigt und in den Fokus gebracht werden. Unser Grundgesetz ist viel weiter, als das Bewusstsein in den Köpfen seiner Bürger:innen.
yocko
G-String Träger
Beiträge: 56
Registriert: Do 17. Mai 2018, 10:55
Has thanked: 19 times
Been thanked: 36 times
Kontaktdaten:

Re: Genderstereotype und Diskriminierung

Beitrag von yocko »

integrator hat geschrieben: Di 22. Aug 2023, 21:28 Das ist - zumindest in Deutschland - juristisch nicht korrekt.
Ja das stimmt natürlich - jedoch wird sich ein Vermieter schon tausend andere Gründe einfallen lassen oder schlichtweg ausdenken um eben nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.
Bei großen Genossenschaften denke ich, dass es in den meisten Fällen keine Rolle spielt ob man schwul ist oder nicht. Sicherlich wird es auch verdeckte Diskriminierung geben, jedoch kann man da nur Mutmaßen warum man eine Wohnung nicht bekommen hat. So eine Diskriminierung betrifft, wie bereits erwähnt, nicht nur schwule.

Bei dem privaten "kleinem Mann", welcher seine Einliegerwohnung vermieten will, da würde ich schon gewisse Ausnahmen einräumen. Als Eigentümer soll man schon etwas frei entscheiden können.

Wobei natürlich die sexuelle Identität, Herkunft oder Religion keine Rolle spielen sollte. Wobei die Realität nun mal einfach leider anders aussieht.

Es ist schade das Thema Gleichberechtigung so sehr mit Füßen getreten wird. Eigentlich sollte es ja selbstverständlich sein, dass jeder Mensch so leben kann wie er will.


Aber zum Thema lackierte Fingernägel zurück, was verändert das lackieren der Nägel an diesem ernsten Thema?
Ich habe eher das Gefühl das solche Aktionen diese ernste Thematik ins lächerliche ziehen und die "Promis" einfach nur mal wieder eine neue Möglichkeit der Selbstinszenierung haben.
Antworten