Steve2004 hat geschrieben: ↑Fr 6. Feb 2026, 06:47
Badestrings bei Männer sind weit davon entfernt, in die Normalität eingegangen zu sein, und sogar bei Frauen entgegen dem weitverbreiteten Glauben ist es überhaupt nicht banalisiert. Der Beweis sind Internet Shops wie Malibustrings und Wickedweasel, die spezielle Rubriken haben, wo Kundinnen stolz ihre Urlaubsfotos im String hochladen. Das zeigt, dass es als Event gesehen wird, als etwas zum Stolz teilen, nicht als banaler Badeanzug, den man einfach anzieht. Wenn ich mich auf meine Beobachtungen in meinem letzten Urlaub in einem Resort beziehe, da es ein geschlossener Ort ist, was die Schätzungen erleichtert: sagen wir auf 50 - 60 Frauen gleichzeitig rund um den Pool habe ich maximal 4 im String gesehen. Während des ganzen einwöchigen Aufenthalts an Pool und Strand potenziell 10 - 12 Frauen auf 150 - 180 Frauen, die im Resort sind. Also ist das keine Mehrheit, weit gefehlt. Wenn schon mehr als 90 % der Frauen das in einem Urlaubresort (wo man schon entspannter ist als im städtischen Hallenbad) nicht machen, stellt euch die Männer vor… Wir sind Lichtjahre von der Normalisierung entfernt. Die Norm in den sozialen Codes bleibt klar: Arsch bedecken = Grundregel, sobald man aus dem Haus oder dem Schlafzimmer geht. Persönlich trage ich Badestring seit mehr als 15 Jahren und sage, dass es banal ist, aber unbewusst bleibt es besonders, denn ich bin immer noch froh und erregt, wenn ich im Urlaub andere im String treffe.
Hi,
also die Kunden-Fotos bei WW & Co. sind einfach ein Marketing-Mittel, das die Botschaft vermitteln soll, wir stolz man darauf sein kann, einen WW-Bikini zu kaufen und zu tragen - das würde ich jetzt nicht überinterpretieren. Und WW ist unter den Anbietern schon für äußerst freizügige Modelle bekannt, nicht für Normalisierung.
Die Wahrnehmung bzgl. der Selbstverständlichkeit von Badestrings bei Frauen scheint aber doch auch sehr von den jeweiligen Gegebenheiten und Definitionen abhängig zu sein. Wir sind fast jeden Sommer viel in Italien, Griechenland, Frankreich und Spanien unterwegs und - und das könnte die größte Ursache für den Unterschied in der Wahrnehmung sein! - würden jetzt knappe Brazilian Cuts oder super-cheeky Modelle, bei denen ~75% der Po-Backen frei sind, auch als Strings zählen. Da sieht die Realität an den Stränden eher so aus, dass bei schlanken und normalgewichtigen Frauen unter 50 die knappen Bikini-Modelle die Regel darstellen und "granny Style"-Bikinis und Badeanzüge vielleicht noch ein Drittel dieser Frauen tragen. Wenn man nur G-Strings und reinrassige "echte" String-Tangas zählt, dann bin ich schon bei dir, dass das keine 10% ausmachen - aber die gesellschaftliche Akzeptanz fast-nackter Po-Backen ist bei Frauen schon sehr breit. Bei Männern sieht es ganz anders aus - da ist es in liberalen Gesellschaften eher die Abkehr von strikten Kleidungs-Normen und allgemeine Akzeptanz von persönlicher Individualität/ Non-Konformität, die uns einen entspannteren Umgang mit Herren-Strings bringt. Das ist die selbe Entwicklung, durch die lange Haare bei Männern, sichtbare Tattoos, Piercings und auch das Nicht-Verheimlichen der sexuellen Orientierung mittlerweile kein großes Thema mehr sind.
Es liegt an jedem und jeder von uns, ob wir diese liberale Gesellschaft weiter erhalten wollen oder uns wieder in Richtung autoritärer, konformistischer Gesellschaftsformen zurückentwickeln. Man nimmt vieles für selbstverständlich - bis es, wie die USA oder auch Ungarn zeigen, plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist. Aber das schweift zu sehr vom Thema ab...